Samurai Karate
    • Interaktive Karte: Der Shaolin Tempel in der Region Henan und Naha auf Okinawa
    • Bodhidharma Der indische Mönch Bodhidharma (Yoshitoshi: 1887)

Eine kurze Geschichte des Karate (1/2)

Die genaue Rückverfolgung der Ursprünge des Karate ist wegen des Mangels an verlässlichen Aufzeichnungen aus Japan und Okinawa kompliziert. Dieser Mangel an schriftlichen „Beweisen” für die Entstehung eines der wichtigsten japanischen Kulturgüter liegt im Wesentlichen an den horrenden Schäden auf Okinawa zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die Geschichte des Karate zuverlässig bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann, und zahlreiche mündliche Überlieferungen von Okinawa helfen dabei, die Lücken zu füllen. Karate kann dadurch über Okinawa nach China bis zum berühmten Shaolin-Tempel zurückverfolgt werden.

Der Shaolin-Tempel, erbaut in etwa 495 n. Chr., liegt in der Provinz Henan in Zentralchina und ist seit der Ankunft eines indischen Mönches namens Bodhidharma (jap. Dharuma) die geistige Heimat der harten Schule der Kampfkünste. Etwa im 6. Jahrhundert n. Chr. reiste Bodhidharma ins zentrale China, um eine Form des meditativen Buddhismus, genannt Ch'an (chin.) bzw. Zen (jap.), zu lehren. Die Legende besagt, dass er den Mönchen des Shaolin-Tempels eine Reihe von Übungen beibrachte, um ihnen zu helfen, die Strapazen ihres weltlichen Lebens zu überwinden. Diese Übungen waren die Grundlage eines Kampfsystems (Shaolin Tempel Boxen), welches auch Einfluss auf die anderen indigenen Kampfsysteme in China hatte und schließlich das Kampfsystem von Okinawa, genannt Te, wurde. Obwohl es große Zweifel an der Geschichte von Bodhidharma und seiner Einführung der Übungen als Grundlage des Kampfsystems Shaolin Ch'uan Fa gibt, besteht kein Zweifel, dass die harten und weichen Kampfkunstschulen in China wesentlich zur Entwicklung der Kampfsysteme in Asien beitrugen.

Okinawa ist die Hauptinsel der Ryukyu-Inselkette, die eine Verbindung der beiden mächtigen Nachbarn Japan und China darstellt. Okinawa war somit ein Schmelztiegel der kulturellen Gebräuche, Traditionen und Werte der beiden Nationen. Obwohl die Insel ursprünglich ein sehr primitives kulturelles Umfeld hatte, war die geologischen Lage von größter strategischer Bedeutung für die Nachbarn. In der Folge wurde Okinawa in etwa 1300 n. Chr. ein Vasallenstaat von China. Diese Beziehung gewährleistet einen stetigen kulturellen und technologischen Austausch über mehrere Jahrhunderte hinweg, was zu einer allmählichen Verfeinerung des „Okinawan way-of-life” führte. Im späten 13. Jhd. wurde der Buddhismus aus Japan eingeführt. Es entstand eine Gesellschaft mit einer starken eigenen Kampfkunst-Tradition, die durch zwei sehr unterschiedliche, aber sehr weit fortgeschrittene Kampfkunst-Systeme beeinflusst wurde. Als die Nation mit Gründung der Sho-Dynastie zum ersten Mal unter einem König vereint wurde, gab es auf Okinawa einen Strukturwandel: anstelle der primären Industrien der Vergangenheit wurden Handel und Gewerbe die wichtigsten Einnahmequellen der Bewohner. Die Kaufleute und Seefahrer Okinawas besuchten nicht nur Japan und China, sondern alle wichtigen Handelszentren Südostasiens, wo sie in Kontakt mit vielen regionalen Kampfsystemen kamen; ein Faktor, der starken Einfluss auf die Entwicklung des Okinawa Te hatte.

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Martin Kulawik Kommunikationsberatung
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